Von der Strategie
zum Marketing-Mix

Abbildung: Die 7 P des Online-Marketing-Mix (Quelle: Martina Dalla Vecchia,
Seminardokumentation NDK E-Commerce und Online- Marketing, Dozentin
FHNW)
Aus der Unternehmungsstrategie und den Zielen wird die Marketing-Strategie
abgeleitet. Im klassischen Marketing-Mix werden die 4 P definiert (Products,
Price, Place und Promotion). Online-Marketing verwendet wie das
Dienstleistungsmarketing oftmals die 7 P des Marketing-Mix. Dort kommen
zu den 4 P die 3 P für People, Physical Evidence und Process hinzu. Obige
Abbildung zeigt die 7 P auf.
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Product
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Hier stellt sich die Frage, welche Produkte und Dienstleistungen man
anbieten möchte. Die Produkte und Dienstleistungen können im Internet
sehr vielfältig sein, wie z.B. ein Tarifrechner, ein Preisvergleich oder eine
Online-Buchungsmöglichkeit.
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Price
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Anders als in der realen Welt lassen sich verschiedene Preismodelle
einfacher realisieren. Es gibt z.B. dynamische Preisfindungsverfahren, wie
sie Auktionshäuser anwenden. Das umgekehrte Verfahren nennt man
Reverse Auction. Wenn eine Firma z.B. bei einer Ausschreibung für den
Einkauf dieses Verfahren anwendet, dann «gewinnt» derjenige Anbieter,
der den tiefsten Preis anbietet. Powershopping wurde dank letsbuyit.com
im Internethype 1.0 bekannt. Mehrere Benutzer können gemeinsam die
Nachfrage erhöhen und damit den Preis drücken. Dieses Prinzip wird
heute noch von www.oelpooler.ch mit Erfolg angewandt.
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Promotion
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In der virtuellen Welt gibt es eine Vielzahl von kreativen Methoden. Einige
werden in diesem Buch vorgestellt, andere werden im Online- Marketing-
Workshop präsentiert.
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Place
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Der klassische Vertriebskanal im Internet ist der E-Shop. Es gibt aber
auch andere Möglichkeiten. Die E-Mall vereinigt eine Vielzahl von E-Shops
unter der gleichen Internetadresse. Dieses Modell ist nach dem Platzen
der Internetblase eigentlich verschwunden. Es gibt Ansätze von solchen
Malls, wie z.B. der Shoppingbereich auf Bluewin
(http://marktplatz.bluewin.ch). Handel wird auch auf elektronischen
Marktplätzen (E-Marketplace, z.B. www.io-market.com) betrieben. Auch
Auktionsplattformen wie www.ebay.com oder www.ricardo.ch eignen
sich hervorragend, um Produkte absetzen zu können.
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People
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Nur die «richtigen» Mitarbeiter/innen mit dem nötigen Wissen können
eine Website zum Erfolg führen. Natürlich ist auch die Organisation der E-
Business-Einheit mitentscheidend. Obwohl viele Leute immer wieder
behaupteten, dass die New Economy des Web 1.0 eben doch gleich wie
die Old Economy ist, kann man hier durchaus auch das Gegenteil
behaupten. Gerade zu Beginn des neuen Internet-Zeitalters des Web 2.0
braucht es wieder vermehrt innovative, kreative Personen, die auch mal
quer oder um die Ecke denken können.
Verschiedenste Schulungsinstitutionen bieten in
Weiterbildungsveranstaltungen aktuelles Knowhow an. So können Sie
gewährleisten, dass sich Ihre Mitarbeiter immer auf dem neusten Stand
der Entwicklung befinden.
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Phyical
Evidence
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Bei Physical Evidence sind Design, Content, Navigation, Usability,
Corporate Identity und Corporate Wording zu beachtende Punkte.
Für den Web Designer ist bestimmt das Design der wichtigste Teil des
Internets. Natürlich ist es wichtig, dass die Website «schön» ist. Noch
wichtiger sind aber Usability und die Navigation. Es nützt nichts, wenn Sie
Millionen ausgeben, um die Benutzer/innen auf die eigene Website zu
bewegen, sie dann nicht bleiben, weil die Website unübersichtlich ist oder
nicht funktioniert.
Website-Marketing ist hier ein wichtiger Begriff, auf den wir später in
Kapitel 2 eingehen werden.
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Process
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Die Prozesse von der Produktsuche bis hin zur Abwicklung des Kaufes
sind sehr entscheidende Elemente, um im E-Commerce erfolgreich zu
sein. Ebenso wichtig ist nachher der After-Sales-Process, also wie man
mit dem Kunden nach dem Kauf umgeht.
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Kernaufgaben in der
Marketingplanung

Obige Abbildung zeigt die Kernaufgaben in der Marketingplanung gem. der
Uni St. Gallen (HSG, Quelle: www.imh.unisg.ch).
Diese Übersicht ist für die klassische Marketingplanung erstellt worden, kann
aber sehr gut auch auf die Bedürfnisse des Online- Marketing übertragen
werden.
Unten stehende Erkenntnisse über die "Kernaufgaben in der
Marketingplanung" sind teilweise aus Quellen der Uni SG (HSG, Quelle:
www.imh.unisg.ch) entnommen, aber mit eigenen Erkenntnisse und
Beispielen aus dem Online-Umfeld ergänzt worden.
Kundenakquisition
Hier bietet Online-Marketing mit Instrumenten wie Suchmaschinen-Marketing
hervorragende Instrumente, um neue Kunden gewinnen zu können. Wenn
jemand ein Produkt oder eine Dienstleistung sucht, sucht man oft dann in
einer Suchmaschine, wenn man keine Ahnung hat, welche Anbieter es dafür
gibt.
Bei der Akquisition ist neben der Fähigkeit zur Risikoreduktion, der
Huntermentalität auch die Fähigkeit zur Fokussierung wichtig. D.h. dass
erfolgreiche Kundenakquirierer auf wenige, aber kaufentscheidende
Bedürfnisse attraktiver Kundengruppen. fokussieren
Als praktisches Beispiel sei hier eine Warenhauskette erwähnt, welche für
Ihren Hochzeitslistenservice eine eigene Website erstellt hat, wo das
Brautpaar sich mit wenigen Klicks die Hochzeitswunschliste online erstellen
kann und an die Hochzeitsgesellschaft bequem per E-Mail verschicken kann.
Die Einkäufe erfolgen entweder online oder in einer Filiale am Point of Sale
(POS). Damit erschliesst sich diese Warenhauskette dank einer eigenen
Website, die man zudem über Online-Marketinginstrumente wie in
Suchmaschinen, über Newsletters oder mit Hilfe von Affiliateprogrammen
zielgerichtet bewerben kann, eine lukrative Zielgruppe mit der Aussicht auf
einen hohen Customer Lifetime Value.
Kundenbindung
Im Mittelpunkt der Kernaufgabe «Kundenbindung» steht die Frage, wie sich
einmal erschlossene Kundenpotenziale ausschöpfen lassen. Hierzu müssen
Unternehmen psychologische und faktische, das heisst technologische,
rechtliche sowie ökonomische Wechselbarrieren bei selektierten
Kundengruppen optimieren. Zwei Ansätze sind im Feld der Kundenbindung zu
unterscheiden:
- Retention (Kunden halten): Die Kundenpotenziale lassen sich schon allein
dadurch ausschöpfen, dass kontinuierliche Wiederkäufe sichergestellt und
Wechsel zur Konkurrenz vermieden oder Kunden zurückgewonnen
werden.
- Penetration (Kunden durchdringen): Kundenbeziehungen lassen sich
ausbauen, indem Preisbereitschaften besser ausgenutzt, Kauffrequenzen
und -intensitäten gesteigert sowie Verbundkäufe gefördert werden.
Auch im Rahmen der Kundenbindung werden besondere Fähigkeiten
benötigt, um die verschiedenen Bausteine dieser Kernaufgabe erfolgreich
umzusetzen:
- Die Fähigkeit, aktuelle Kundeninformationen umfassend zu erfassen und
zu verarbeiten: Je besser ein Unternehmen seine Kunden kennt, desto
effektiver kann es auf deren Erwartungen eingehen und sie persönlich,
individuell ansprechen.
- Die Fähigkeit, Kunden individuell zu betreuen und regelmässig mit ihnen
zu interagieren: Je individueller ein Kunde betreut wird, desto weniger
Wahlmöglichkeiten stehen ihm zur Verfügung, die ihm die gleiche Leistung
bieten.
- Die Fähigkeit, Kunden in Unternehmensprozesse einzubinden.
- Die Fähigkeit, rationale und emotionale Bindungen aufzubauen.
Ein Kundenbindungsinstrument bietet im Online-Marketing ein eCRM-System
mit integrierter Möglichkeit zum personalisierten und invidualisierten
Newsletter (E-Mail- und Permission-Marketing). So kann man kostengünstig
immer wieder auf sich und seine Produkte aufmerksam machen und so den
Kunden zu Spontankäufen oder Upselling bewegen. Ebenso kann die
Kundenloyalität gesteigert werden. Die hohe Schule des E-Mail-Marketings
besteht darin, aufgrund der Profil-, Tracking- und Nutzungsdaten einen 1:1-
Newsletter mit vorgefertigen Textbausteinen herstellen zu können. Das
garantiert einen maximal möglichen Nutzen für beide Seiten, den Anbieter
und den Empfänger.
Leistungsinnovation
Die Kernaufgabe «Leistungsinnovation» setzt sich mit dem Erschliessen von
Leistungspotenzialen auseinander. Sie umfasst sämtliche Massnahmen, die
ergriffen werden, um neue Problemlösungen zu kreieren und im Markt
durchzusetzen.
Es lassen sich hierbei zwei Stossrichtungen unterscheiden. Auf der einen
Seite kann ein Unternehmen wirklich echte Marktneuheiten entwickeln und
einführen, auf der anderen Seite kann es durch Imitationen bereits am Markt
befindliche Leistungen kopieren. Folgende Kompetenzen helfen, echte
Innovationen hervorzubringen:
- Kreativität und Offenheit: Fähigkeit, neue, unbekannte Problemstellungen
visionär anzugehen und Zusammenhänge ganzheitlich zu erfassen;
- Risikobereitschaft: Fähigkeit zu einem missionarischen, entschlossenem
Verhalten, das bewusst nach Ungleichgewichten sucht und nach
Möglichkeiten strebt, tradierte Konzepte schöpferisch zu zerstören und
unternehmerisch zu nutzen;
- Schnelligkeit: Die Fähigkeit, sowohl bei der Leistungsentwicklung als auch
der Markteinführung eine hohe Geschwindigkeit zu gewährleisten.
Im Online-Umfeld und insbesondere im Web 2.0 bieten sich neue Chancen
(Risikobereitschaft), innovative Produkte (Kreativität und Offenheit) rasch
auf den Markt zu bringen (Schnelligkeit). Es müssen nicht immer Beispiele
wie Youtube.com sein, welches von Google im Jahr 2006 für 1.6 Mia. US-
Dollar übernommen wurde. Es gibt auch in Europa genügend kreative
Beispiele. Z.B. Kartenlösungen von Endoxon (www.endoxon.com), welches
mit der Schweizer Suchmaschine [search.ch] eine neue Kartenlösung für die
lokale Suche map.search.ch und später immo.search.ch für die Anzeige von
Immobilienobjekten auf einer interaktiven Karte lanciert haben. Die
Schweizer Firma Endoxon aus Luzern wurde im Dezember 2006 von Google
übernommen.
Immer mehr entwickeln sich auch neue Web 2.0-Websites, welche auf den
unterschiedlicher Applikationen (Open Source) und auf Content aus
unterschiedlichen Quellen basieren. Als Beispiel sei hier eine Website des
Autors erwähnt, welche über www.topin.travel aufgerufen werden kann.
Viele hundert Webcams (Quelle: www.swisswebcams.ch) können so mit
einem dreidimensionalen virtuellen Flug dank Google Earth betrachtet
werden. Google stellt hier mit Google Earth eine Anwendung gratis zur
Verfügung, die dank den API (Interface für die Programmierung) mit fremden
Inhalten, hier die Webcams, kombiniert werden können.
Leistungspflege
Hat ein Unternehmen mit erfolgreichen neuen Angeboten Potenziale
erschlossen, so geht es im Rahmen der Kernaufgabe «Leistungspflege»
darum, diese Potenziale auszuschöpfen. Ziel ist, mit der jeweiligen
Problemlösung möglichst lange und umfassend im Markt erfolgreich präsent
zu sein.
- Erhalt von Leistungspotenzialen: Modifikation und Revitalisierung sind
Möglichkeiten für ein Unternehmen, um eine bestehende Leistung zu
erhalten. Bei der Modifikation handelt es sich um Adaptionen der am
Markt eingeführten Leistung, wobei die Leistung insgesamt weitgehend
unverändert bleibt (Weiterentwicklung des VW Golfs in den letzten 27
Jahren). Werden vorhandene Werte wiederbelebt, so spricht man von
Revitalisierung (New Beetle von VW).
- Ausbau von Leistungspotenzialen: Variation, «Bundling» und Multiplikation
sind Optionen, um Leistungspotenziale auszubauen. Bei der Variation
sollen Verkäufe ähnlicher Leistungen erzeugt bzw. erhöht werden (Typen
der BMW 3er-Reihe). Demgegenüber werden beim «Bundling» bereits
eingeführte Produkte mit komplementären Produkten oder mit (Zusatz-)
Dienstleistungen kombiniert. Bei der Multiplikation werden bestehende
Leistungskonzepte wiederholt und systematisch auf neue Märkte
angewendet (z.B. die Verbreitung des Fastfood-Konzeptes von
McDonalds).
Das Ausschöpfen von Leistungspotenzialen erfordert folgende
Kompetenzen:
- Fähigkeit zur Optimierung: Im Rahmen der Leistungspflege stehen
Ausdauer und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Um diese Aufgabe zu lösen,
werden analytische Fähigkeiten und Spezialistenwissen benötigt.
- Streben nach Sicherheit: Leistungspotenziale lassen sich in ruhigen,
kontrollierten Situationen effektiver ausschöpfen. Daher wird diese
Kernaufgabe durch Fähigkeiten unterstützt, die Beherrschbarkeit und
Ordnung erleichtern.
- Standardisierungskompetenz: Leistungspflege ist darauf ausgerichtet, die
Effizienz vertrauter Tätigkeiten zu verbessern und Economies of scales
zu erzielen.
Übertragen auf das Online-Umfeld heisst es, die neuen Entwicklungen und
Technologien ständig zu beobachten und sich die Frage zu stellen, wie diese
für sich selber nutzbringend eingesetzt werden können. Ab dem Jahre 2006
ist v.a. in Fachkreisen der Begriff des Web 2.0 omnipräsent. Es geht um die
Demokratisierung und Sozialisierung des World Wide Web. Begriffe wie
Blogs, Podcasts, Vlogs, Wikis, Soziale Netzwerke, Ajax etc. läuten eine neue
Ära ein und die Medienrevolution hat klammheimlich begonnen. So lohnt es
sich, die Entwicklungen im Auge zu behalten.
Werbeplanung
Die Werbeplanung umfasst folgende Punkte:
- Ausgangslage
- Werbeziele
- Zielgruppe
- Arten der Ziele (z.B. Bekanntheitsgrad erhöhen, siehe unten Ziele
und Kennzahlen der Marketingkommunikation)
- Geografischer Raum
- Zeitraum
- Werbeinhalt (Werbebotschaft, Kundennutzen, Handlungsappell etc.)
- Werbeträger/-mittel
- Budget
- Kontrolle
Weitere Ziele und Kennzahlen in der Marketingkommunikation sind:
- Gestützte und ungestützte Bekanntheit
- Kaufinteresse
- Kaufabsicht
- Produktwissen
- Produktverwendungswissen
- Reichweite
Obige Punkte sind der klassischen Marketing-Kommunikation entnommen,
gelten aber auch fürs Online-Marketing. Für die erfolgreiche Planung einer
Online-Werbekampagne bedarf es der gleichen Checkliste "Werbeplanung",
aber kombiniert mit den Erfolgsfaktoren für Online-Werbung gemäss Kapitel
3.
Die Kennzahlen gemäss obiger Ziele der Marketingkommunikation werden
heute von einigen Studien geliefert, welche etwas später dargelegt werden.