Reine Online-Studien gibt es nicht viele. Grundsätzlich könnte man neue
Produkte oder Dienstleistungen ausschliesslich online bekannt machen, wie
die drei Beispiele von Bluewin (ON-Studie), Kinnie und Swisswebcams.ch
belegen.
Bluewin ON-Studie
Studie über die Wirksamkeit von Online-Werbung
Bluewin, das trafficstärkste schweizerische Internet-Portal
(www.bluewin.ch), hat im Jahr 2003 mit der ON-Studie den Beweis für die
Wirksamkeit von Online-Werbung geliefert. Um den Beweis für die
Wirksamkeit vernetzter Online-Kommunikation anzutreten, hat Bluewin die
ON-Studie durchgeführt. Nur durch das Erfinden einer neuen Marke wie ON
(«Das Unterhaltungsprogramm der Zukunft»), deren Bekanntheit
unvoreingenommen im Internet aufgebaut und gemessen werden sollte,
liess sich das Potenzial des Internets beweisen. Um alle Möglichkeiten und
Besonderheiten des Internet untersuchen und beurteilen zu können, wurden
diese speziell berücksichtigt und die Studie ausschliesslich online
durchgeführt. Die Kampagne wurde daher durch eine unabhängige,
repräsentative Online- Marktforschung begleitet.
Bluewin wollte die Wirksamkeit von Online-Marketing beweisen.
ON – Das Unterhaltungsprogramm der Zukunft, eine unverbrauchte,
innovative Marke für ein spannendes und völlig neuartiges Produkt.
Frauen und Männer im Alter von 20 bis 49 Jahren, die ON als Early-Adaptor
und spätere Mainstream-Zielgruppe nutzen sollten.
Was hat man erreicht?
Unten stehende Grafik verdeutlicht, dass man eine gestützte
Markenbekanntheit von beinahe 5 % erreicht hat. Das ist doch sehr
erstaunlich, wenn wir uns gleich mit dem Marketingbudget beschäftigen. Eine
Frage an Sie, liebe Leserin, lieber Leser. Wie viel Budget müssten Sie mit
klassischer Kommunikation einsetzen, um eine fünfprozentige gestützte
Markenbekanntheit zu erreichen? Wie viel darf der TKP oder der Klick
kosten?

Wie wurde es erreicht?

Man hat in Wellen auf Bluewin-eigenen und auf fremden Portalen Banner
geschaltet sowie das neue Produkt in mehreren Newsletters beworben.
Daneben wurden Online- Wettbewerbe durchgeführt, die mit Bannern
beworben wurden. Während der ganzen Kampagne war eine Website online,
welche das Produkt ON, dem Unterhaltungsprogramm der Zukunft,
informierte.

Die Gesamtkosten der Kampagne betrugen nur gerade CHF 315'000. Mit
wie viel Budget hatten Sie etwas weiter oben gerechnet? Bestimmt muss es
ein Millionenbetrag gewesen sein. Wichtig ist das Ergebnis. Nur mit diesem
bescheidenen Budget von etwas über CHF 300'000 hat man es geschafft,
ein Produkt zu einer gestützten Markenbekanntheit von knapp 5 % zu
führen. Und alles wurde nur mit Online-Marketing-Instrumenten beworben.
Nebenbei sei erwähnt, dass heute eine Klickrate von 0.5 % in den wenigsten
Fällen erreicht wird und dass die meisten einen Klickpreis von CHF 6 bis 8 als
zu hoch empfinden. Deshalb soll an dieser Stelle schon mit aller Deutlichkeit
das erste Mal erwähnt werden, dass die Klickrate und der Klickpreis für den
Erfolg einer Kampagne völlig unbedeutend sind. Was zählt ist einzig und
alleine, mit welchem Budget man einen bestimmte Bekanntheit erlangt hat.
Ob die Klickrate nun 0.1 oder 1 % und der Klickpreis so 1 oder 10 Franken
betrug, ist Nebensache, solange man das angestrebte Ziel erreicht.
Erfrischungsgetränk Kinnie
Die Ergebnisse dieser Untersuchung können anhand eines neuen
Studienansatzes die vielfältige Wirksamkeit von Werbung im Internet
belegen. Die von der G+J Electronic Media Sales GmbH (www.ems.guj.de) in
Zusammenarbeit mit der diffferent planning & research GmbH aus Hannover
durchgeführte Studie konnte dieses hoch gesteckte Ziel mit Hilfe eines
komplexen Methoden- Mix erreichen. Innerhalb von zwei Monaten wurde,
allein über das Internet, eine in Deutschland bislang offline nicht käufliche und
demnach nahezu unbekannte, aber real existierende Marke beworben. Von
Mitte Juli bis Mitte September 2001 wurden dazu mehr als drei Millionen Ad
Impressions der Kampagne ausgeliefert und knapp 1.5 Millionen Cookie-
Datensätze ausgewertet. Gleichzeitig wurden 2'811 Personen auf den
Websites Brigitte.de, Brigitte, YoungMiss.de, livingathome.de, stern.de,
online-today.de, myToday und Computer Channel per PopUp-Fragebogen
u.a. zu Werbeerinnerung, Markenbekanntheit und Markenbild befragt.
Durch das Cookie-Tracking wurde das Verhalten der User in Bezug auf die
Kampagne genau erfasst. Gleichzeitig wurden die Einstellungen durch die
PopUp-Befragung ermittelt und mit den Trackingdaten verknüpft. Zur
besseren Interpretation der Ergebnisse wurde zudem vor der ersten Banner-
Schaltung eine so genannte Nullmessung durchgeführt. Die Ergebnisse geben
ein umfassendes Bild von den Wirkungsweisen der Kampagne im Hinblick auf
die Entwicklung der Markenerinnerung, der Markenwerte und des Response
in Abhängigkeit von der Kontaktmenge und der Werbeaussage.
Response der Kinnie-Kampagne
- Tracking von 3.2 Mio. Werbemittelkontakten
Im Untersuchungszeitraum wurden 3.2 Mio. Banner, PopUps und
Skyscraper ausgeliefert. Im Schnitt wurden ca. zwei Werbemittel pro
Rechner „gesehen“ und dabei über 14'190 AdClicks generiert.
- 1.5 Mio. Menschen kamen mit der Kampagne in Kontakt
Vorausgesetzt, dass jeder rechnerspezifische Cookie für einen Nutzer
steht, sind ca. 1.5 Mio. Menschen mit der Kinnie-Kampagne in Kontakt
gekommen.
- Mehr Kontakte führen zu höherer nutzerbezogener Klickwahrscheinlichkeit
Bei einem Werbemittelkontakt betrug die Klickrate 0.4 Prozent. In der
Gruppe derjenigen, die zwei Kontakte hatten, haben 1.3 Prozent nach
diesem Kontakt geklickt. Das heisst, dass mit einem weiteren Kontakt
mit dem Werbemittel die nutzerbezogene Klickwahrscheinlichkeit mehr
als verdreifacht werden konnte. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit, auf
das Werbemittel zu klicken, mit jedem weiteren Kontakt überproportional
an. Eine gewisse Sättigung trat erst bei mehr als sechs Kontakten ein.
- 98 Prozent des Traffics wurden durch Banner-Kontakt ausgelöst
Während des Kampagnenzeitraums hatten nur 290 Besucher der
Website www.bekinnie.de zuvor keinen Kontakt mit der Kampagne. Rund
98 Prozent des Traffics auf der Website lassen sich somit nachweislich
auf Besucher zurückführen, die zumindest einen Werbekontakt hatten.
Der Grossteil der Besucher (93 Prozent) gelangte durch Ad-Clicks auf die
Website. Fünf Prozent der User hatten zuvor Kontakt mit der Kampagne,
surften aber eigenständig auf die Site der beworbenen Marke, ohne das
Banner direkt angeklickt zu haben.
- 96 Prozent der Besucher des Online-Shops hatten Werbekontakt
Von den Kinnie-Shop-Besuchern hatten 96 Prozent zuvor Werbekontakt
auf den ausgewählten G+J EMS-Sites. Knapp sechs Prozent der User, die
die Website besucht haben, betraten auch den Shop.
Brand-Awareness
- Steigerung des Bekanntheitsgrades um über sechs Prozentpunkte
Die Nullmessung ergab einen Bekanntheitsgrad der untersuchten Marke
von 3.7 Prozent. Die ungestützte und gestützte Bekanntheit der Marke
steigerten sich durchschnittlich um sechs Prozentpunkte nach der Online-
Werbung auf 10.1 Prozent. Jedem zehnten Befragten ist die Marke Kinnie
somit nach der Kampagne bekannt.
- Bereits nach einem Werbekontakt liegt die Bekanntheit bei sieben Prozent
Die Markenbekanntheit nach einem Werbekontakt lag bereits bei 6.8
Prozent und stieg mit jedem weiteren Werbemittelkontakt an. Eine
starke Zunahme der Markenerinnerung lässt sich insbesondere beim
Anstieg von fünf auf sechs Kontakte mit dem Werbemittel feststellen. Der
Anteil der Befragten, denen Kinnie bekannt ist, wuchs von neun Prozent
bei fünf Kontakten auf 14 Prozent bei sechs Kontakten und erreicht in
den höheren Kontaktgruppen eine gewisse Sättigung.
Werbe-Awareness
- Die Hälfte kann sich an die Kinnie-Werbung erinnern
Insgesamt gaben 47 Prozent der Befragten an, Werbung auf den
besuchten Sites gesehen zu haben. 32 Prozent konnten sich dabei
konkret an die entsprechende Werbung erinnern und nannten die Marke
auch ungestützt. Weitere 15 Prozent kamen über die gestützte Abfrage
hinzu, womit sich knapp die Hälfte all derjenigen, die sich an Online-
Werbung generell erinnern konnten, konkret an die Kinnie-Werbung
erinnerten. Auch hier spielte die Anzahl der Werbekontakte eine wichtige
Rolle.
- Frauen und Jüngere erinnern sich besser an Kinnie-Werbung
Die Hälfte der befragten Frauen konnte sich ungestützt bzw. gestützt an
entsprechende Kinnie-Werbung erinnern. Bei den Männern waren es
lediglich 42 Prozent. Insbesondere die jüngeren Generationen bis 40
Jahre erinnerten sich am besten an die Kampagne. Ab dieser Altersgrenze
nahm die Werbeerinnerung mit steigendem Alter stetig ab.
Zugegeben, die Studie aus dem Jahre 2001 ist schon etwas älteren Datums.
Aber sie zeigt, dass Online-Marketing nicht ein Thema neueren Datums ist,
sondern schon im Jahre 2001 seine Wirkung bewiesen hat. Spätestens seit
der ON-Studie von Bluewin müsste jeder Marketer von der Wirksamkeit und
Effizienz von Online-Marketing überzeugt sein.
Quelle der Studie: www.ems.guj.de
SwissWebCams
Wer bis jetzt noch nicht überzeugt ist, dass Online-Marketing wirkungsvoll
ist, dem möchte ich hiermit ein eigenes Beispiel vorstellen.
Im Jahr 2001 haben zwei Geschäftspartner und ich die Website
www.swisswebcams.ch gegründet und im Februar 2002 online geschaltet.
Wir verlinkten dort zu Beginn rund 100 Webcams, im Mai 2007 sind es
bereits rund 900. Wir haben den Traffic kontinuierlich aufgebaut und
erreichten nur gerade knapp fünf Jahre später einen Traffic von 3 Mio.
Seitenaufrufen (Page Impressions). Diese Zahlen sind WEMF- beglaubigt und
somit verlässlich.
Was haben wir getan, um das zu erreichen.
Wir haben ausschliesslich Online-Marketing-Massnahmen durchgeführt, weil
wir für andere Massnahmen kein Budget hatten. Unsere Politik war es, dass
wir das Geld erst dann ausgeben, wenn wir es verdient haben. Da wir
während drei Jahren nichts verdient hatten, konnten wir folglich auch nichts
in Werbung investieren. So haben wir alles das gemacht, was ich Ihnen in
diesem Buch vorstelle. Der Inhalt dieses Buches ist daher auch sehr praxis
bezogen, weil die meisten Massnahmen von uns praxiserprobt und getestet
sind.
Wir haben folgende Massnahmen durchgeführt:
- Gute Domain (SwissWebcams)
- Suchmaschinenmarketing (Optimierung der Website, keine bezahlten
Links)
- Banner- und Linktausch
- Pressemitteilungen (online per E-Mail)
- Versand eines Newsletters drei bis vier Mal pro Jahr
- Grosser Partnerverbund (Schweiz Tourismus, 20 Minuten, Reisen.ch,
map.search.ch etc.)
- Verlinkung von kleineren Websites
- MMS-Service über mobidick.ch
Nicht dass Sie jetzt denken, Online-Marketing koste nichts. Das wäre ganz
sicher falsch. Aber im Moment ist Online-Marketing im Vergleich mit den
klassischen Medien sehr günstig zu haben. Ich bleibe aufgrund der Vorteile
und Vorzüge weiterhin ein Verfechter und Verbreiter von Online-Marketing.
An dieser Stelle möchte ich gerne einen speziellen Hinweis machen. In der
Folge werde ich oft eigene Beispiele, oder Beispiele, wo ich involviert bin,
aufzeigen. Bitte verstehen Sie dies nicht als Schleichwerbung. Die eigenen
Beispiele kenne ich am besten und so kann ich Ihnen anhand dieser meine
praktische Erfahrung am besten mitteilen.
Falls Sie die drei reinen Online-Fallbeispiele noch nicht überzeugt haben, so
hoffe ich, dass Sie die crossmedialen Studien überzeugen werden.