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Targeting

Bestimmt kennen Sie den berühmten Satz, der manchmal John Wanamaker und manchmal Henry Ford zugeschrieben wird: Ich weiss, dass die Hälfte meiner Werbeausgaben rausgeschmissenes Geld ist. Ich weiss nur nicht, welche Hälfte.

Auch beim Online-Marketing haben Sie Streuverluste. Aber Sie können sich bestimmt ausrechnen, dass der Streuverlust bei einem Newsletter- Empfänger, der sich selber in Ihren Newsletter eingetragen hat, sehr viel kleiner ist.

In der Online-Werbung gibt es viele technische Möglichkeiten, den Streuverlust zu minimieren. Diese sind im folgenden dargestellt.

Allgemeines über Targeting

Was sind die Grundsätze für ein gutes Targeting?

 

1. Platzierung des Banners bzw. der Werbung im richtigen Umfeld

Wichtig ist, dass Sie das Umfeld bzw. die Websites für Ihre Banner sorgfältig wählen. Wo hält sich ihre Zielgruppe auf. Im Beispiel der Studie über den Alfa Romeo wurden die Werbemittel nur auf deutschen Frauen-Websites geschaltet, weil mit diesem Auto vor allem die Frauen ansprechen möchte. Aufgrund der Platzierung ist hier eher gewährleistet, dass die Werbung von der Zielgruppe gesehen wird. Es gehen wohl sehr wenige Männer auf Websites für Frauen. Ausschliessen kann man das nicht. Der Streuverlust ist hier aber sehr gering.

Für Jugendprodukte gibt es genügend Websites, wo sich vor allem die ganz Jungen aufhalten. So findet man meistens das geeignete Umfeld für seine Produkte.

Schwieriger wird es, wenn Sie ein Produkt anbieten möchten und Sie nicht wissen, wo sich Ihre Zielgruppe online aufhält.

 

2. Targeting über technische Möglichkeiten

Mit einem Bannerserver (Bannermanagesystem, Ad Server wie z.B. Dart) können Sie die Bannerkampagnen mit diversen Parametern ausliefern. Der Ad-Server entscheidet innerhalb von Millisekunden, wie der freie Bannerplatz belegt werden soll.

Aufgrund der IP-Adresse lassen sich folgende Targeting-Möglichkeiten durchführen:

  • Herkunftsland
  • Benutztes Betriebssystem
  • Browser-Software
  • Sprache
  • Service-Provider
  • Top-Level-Domain
  • Uhrzeit, bzw. Tag

 

Wie lassen sich diese in der Praxis anwenden, um den Streuverlust zu minimieren?

  • Herkunftsland: Krankenkassenwerbung soll nur Schweizer eingeblendet werden. Personen mit ausländischen IP-Adressen sehen diese Werbung nicht.
  • Browser-Software: Ein Anbieter einer neuen Software kann z.B. die Werbung nur Personen einblenden, welche den Firefox- Browser einsetzen. Diese gelten meist als Early Adaptors. Oder ein Anbieter einer Anwendung ausschliesslich für den Apple Macintosh könnte die Werbung so nur Personen mit Safari-Browser anzeigen lassen, den es nur in der Apple-Welt gibt.
  • Sprache: Sie können pro Sprache unterschiedliche Bannerversionen anzeigen lassen. So erhalten die Westschweizer die Werbung auf französisch eingeblendet, wenn es sich bei ihrem Browser um eine franzöisch sprachige Version handelt.
  • Service-Provider: Ein Bluewin-Banner kann allen Nicht-Kunden von Bluewin eingeblendet werden. Dort macht es letztlich auch Sinn.
  • Top-Level-Domain: Sie können die Werbung nur deutschen Benutzern einblenden (.de).
  • Uhrzeit und Tag: Wenn Sie wissen, dass Ihre Zielgruppe nur zu bestimmten Zeiten oder an ganz bestimmten Tagen online unterwegs ist, dann können Sie Werbung auf diese Zeiten schalten. Wenn Sie z.B. auf Bluewin.ch spät abends surfen, werden Sie mehr Banner für Erotikangebote vorfinden als frühmorgens. Wenn Sie als Betreiber eines Weinshops wissen, dass vor allem zwischen 10 und 12 Uhr und während der Bürozeiten (!) online Wein gekauft wird, dann müssten Sie die Banner ab 9 Uhr schalten.
Segmentbasierte Werbung von Bluewin

Das Schweizer Internetportal Bluewin lancierte vor einigen Jahren mit der segmentbasierten Werbung eine neue Dienstleistung in der Online-Werbung, um den Streuverlust minimieren zu können.

Die Idee dahinter war, dass man die Profile der Kunden veredeln und diese für die Bannerwerbung der Bluewin-Kunden nutzen wollte. So sollten die gesuchten Kunden gezielt mit Werbung angesprochen werden können.

Bluewin kennt seine Privat-Kunden (Access-Kunden) aufgrund des Login. Die Nicht-Bluewin-Kunden und die Geschäftskunden von Bluewin können so nicht erfasst werden und mit segmentbasierter Werbung beliefert werden.


Der Ablauf ist unten dargestellt:

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(1)

Den Nicht-Bluewin und Geschäftskunden wird die Werbung wie im vorherigen Kapitel beschriebenen Paramatern aufgrund der IP- Adresse angezeigt.

(2)

Anders verläuft dies bei den privaten Bluewin-Kunden. Aufgrund des Logins kann erkannt werden, um welchen Kunden es sich handelt.

Die Profile werden um folgende zugekauften Parameter erweitert:

  • Familienstand
  • Kinder
  • Kaufkraftklasse
  • Wirtschaftsgebiet
  • Wohnsituation
  • Alter
  • Personen im Haushalt
  • Geschlecht


So kann das Targeting aufgrund dieser erweiterten Parameter erfolgen. Selbstverständlich erfolgt das anonym und ohne Wissen des Benutzers.


Vor- und Nachteile der segmentbasierten Werbung von Bluewin

  • Vorteile: Fokussierung aufgrund demografischer Daten für Privatpersonen und Kunden von Bluewin möglich.
  • Nachteile: Weiss man immer, wer wirklich hinter dem PC sitzt? Handelt es sich beim User um die Person, welche den Vertrag mit Bluewin unterschrieben hat oder um ein anderes Familienmitglied?
Geotargeting

Man kann aufgrund der IP-Adresse Werbung nur regional schalten lassen. Das macht z.B. für den lokal verankerten Gewerbebetrieb Sinn, weil er so nur Kunden in einem bestimmten geografischen Raum ansprechen möchte.

Dies ist dank der IP-Adresse möglich, welche sich in der Schweiz bis auf 3 Kilometer lokalisieren lässt und zu 80 % in einem Umkreis von 20 Kilometern und zu 90 % in einem Umkreis von 30 Kilometern genau ist.

Swisswebcams.ch, das Schweizer Webcam-Portal, bietet ebenfalls eine Art Geo-Targeting an. Man kann dort eine Werbung neben ganz bestimmten Webcams oder Webcam-Kategorien schalten.

Im unten stehenden Beispiel sieht man die Werbung des Wellnesshotels Pirmin Zurbriggen in Saas Almagell, das die Werbung nur bei den vier Saaser Webcams angezeigt haben wollte. Der Erfolg war ausgezeichnet, denn durch die Werbung konnten nachweislich einige Hotelbuchungen in der saisonarmen Zeit generiert werden.

Dieses Beispiel (vgl. Screenshot unten) können Sie live über folgenden Link ansehen:

http://www.swisswebcams.ch/deutsch/sponsorbox_beispiel.php


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Keyword-Werbung

Bei der Keyword-Werbung werden bestimmte Keywords gebucht, bei denen dann die entsprechende Werbung eingeblendet wird.

Die Keyword-Werbung von Google wird im Kapitel "Suchmaschinen- Marketing - Abschnitt Google AdWords" behandelt.


Keyword-Banner

Die Schweizer Suchmaschine [search.ch] bietet Keyword-Banner an.

Unten stehendes Beispiel zeigt, dass bei Eingabe des Begriffes "Reisen" ein Banner eines Reiseanbieters eingeblendet wurde.

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Keyword-Ads

Diverse Anbieter bieten sogenannte Keyword-Ads an. Wenn der Benutzer den Mauszeiger über einen bestimmten Begriff auf einer Website bewegt, wird die Werbung eingeblendet (siehe Beispiel unten).


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Behavioral Targeting

Von Martin Radelfinger, CEO AdLINK Internet Media Schweiz AG, und Camille Zimmermann, Manager Business Development Goldbach Media


Behavioral Targeting bietet den Werbetreibenden die Möglichkeit, Internetnutzer aufgrund ihres effektiven Online- Verhaltens oder ihres Informationskonsums gezielt anzusprechen.

Die Grundlage für das Behavioral Targeting ist die thematische Kategorisierung der Website-  Inhalte oder eines gesamten Netzwerks. Aufgrund der Rückschlüsse die aus dem Surf- Verhalten der User gezogen werden, können die User einzelnen Zielgruppen respektive Segmenten zugeordnet werden. Diese Zuordnung ist nicht statisch, sondern passt sich kontinuierlich dem sich verändernden Verhalten der User an. Dies bedeutet, dass ein Nutzer im Zeitverlauf unterschiedlichen Segmenten angehören kann. Diese Datenerhebung erfolgt über Cookies und ist somit anonym.

Dass soziodemografische Merkmale nur noch bedingt aussagekräftig für das Verhalten von Konsumenten sind, ist keine neue Erkenntnis. Die auf Wertewelten basierenden Sinus- Milieus *) oder der MACH Radar beschreiben die in den letzten Jahren immer wichtiger gewordenen psychografischen Dimensionen. Im Gegensatz zu diesen statischen Wertewelten geht das Behavioral Targeting einen Schritt weiter, indem es die Werbung aufgrund des effektiven Verhaltens der User steuert, die Interaktion der User mit der Werbung berücksichtigt und die Segmentierung kontinuierlich dem dynamischen Verhalten der User anpasst. Dieser dynamische Prozess lässt sich an folgendem Beispiel illustrieren. Besucht ein Nutzer Sites mit familienrelevanten Inhalten und surft auf Immobilien- und Auto- Websites, wird er anhand der Tracking-Pixel für die Segmente «Familien-Interesse», „Immobilien-Interesse“ und „Auto-  Interesse“ eingeteilt. Aufgrund dieser Zuordnung kann den Usern entsprechende Werbung (zum Bespiel  für ein Familien-Auto oder für die Finanzierung einer Eigentumswohnug) angezeigt werden.

Erfolgt nach getätigter Informationssuche der Autokauf, wird der User aufgrund seines veränderten Surf- Verhaltens sowie des veränderten Interaktions-Verhaltens gegenüber Auto-Werbung, resegmentiert.

Durch das Behavioral-Targeting können User aufgrund ihrer Interessen unabhängig vom thematischen Umfeld angesprochen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer „Out-Of-Context“ Werbeansprache. Dank der inhaltsunabhängigen Ansprache kann der Werbetreibende eine zu hohe Werbedichte umgehen und zum Beispiel eine Konzentration von sich konkurrenzierender Autowerbung auf Auto-Websites vermeiden.

Werbung für Produkte oder Dienstleistungen mit einem hohen Erklärungsbedarf kann ausserhalb des thematischen Kontextes geschaltet werden. Zum Beispiel kann Werbung für ein Finanzinstrument auf einer Freizeit-Site am Wochenende den Rezipienten angezeigt werden. Die Aufnahmebereitschaft des potentiellen Käufers ist dadurch viel grösser.

Mittels einfachem Behavioral Targeting können nicht alle Konsum-Interessen abgebildet werden. Hier gibt es eine Ergänzung zum „einfachen Behavioral Targeting“.  Mittels Online- Befragungen werden die Verhaltensdaten mit weiteren Interessens-Kriterien angereichert.  Durch die Verbindung der Verhaltensanalyse mit der Befragung können Interessen auf User mit identischen Verhaltensmustern hochgerechnet werden. Dies erlaubt einerseits die Erfassung von hochspezifischen Interessen und generiert gleichzeitig die kritische Reichweite für eng definierte Zielgruppen.

Behavioral Targeting als neues Instrument der Online-Mediaplanung wird als Ergänzung zu  bestehenden Targeting- Möglichkeiten eingesetzt. In Zukunft werden nach wie vor klassische Kriterien wie Markenumfeld oder die Soziodemographie der Nutzerschaft für die Platzierung von Online- Werbung wichtig bleiben. Mit der zunehmenden Verknappung des Werbeinventars, am Beispiel USA und England ersichtlich, wird das Behavioral- Marketing auch in der Schweiz weiter an Relevanz gewinnen.

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*) Das Sinus-Milieu beschreibt neben den Segmentierungsvariablen geografisch, soziodemografisch und verhaltensbezogen die in den letzten Jahren immer wichtiger gewordene psychografische Variable.


Ein praktisches Beispiel

Angenommen Sie suchen auf einer Internetplattform mit Autos einen BMW Z3. Etwas später surfen Sie auf diversen Websites und sehen laufend Banner, welche den BMW Z3 anpreisen. Wie durch Geisterhand werden Ihnen nun Angebote für den Z3 gemacht.

Wie geht das? Ihr Verhalten wurde anonymisiert festgehalten. Nun können Werbetreibende genau solche Kunden suchen, welche ein Interesse an bestimmten Inhalten zeigen. Natürlich können Sie Personen, welche nach dem BMW Z3 gesucht haben, auch Schmuckwerbung oder Werbung für die Finanzierung des Autos per Leasing anzeigen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Erinnern Sie sich an das Beispiel der Immobiliensuche, das im Kapitel "Der Mehrwert von Online-Marketing" erläutert wurde? Das ist ebenso Behavioral Targeting.


Zusammenfassung - Was ist Behavioral Targeting?

  • Aufgrund des Verhaltens eines Users wird dieser in Segmente zugeordnet. Diese Segmente können bei Kampagnen geplant und gebucht werden.
  • Das Behavioral Targeting bietet dem Werbetreibenden die Möglichkeit, User aufgrund seiner Segmentzugehörigkeit bzw. seiner Interessen, inhalts- und siteübergreifend anzusprechen.
  • Die Segmentierung erfolgt zu 100% anonymisiert.
  • Ein Unique Client wird aufgrund seines Verhaltens über ein Cookie mit einem Segment bzw. einer Interessenskategorie assoziiert, so dass die Auslieferung der Werbung gezielt gesteuert werden kann. Es handelt sich dabei nicht um eine statische sondern um eine dynamische Segmentierung. Sollte ein User sein Nutzungsverhalten aufgrund eines neuen Lebens-   oder Konsumzyklus verändert haben, wird er einem neuen Segment zugeordnet.


Was sind die Vorteile von Behavioral Targeting?

  • Zielgruppengenauigkeit in unterschiedlichem Umfeld
  • Hohe Performance und Branding Effekt
  • Optimierte Reichweite
  • Einsatz von segmentierten Zielgruppen
  • Ergänzung zur klassischen Mediaplanung
  • Hohe technische Akzeptanz
  • Professionelles und dynamisches Kampagnen-Management



Segmente


In der unten stehenden Abbildung sehen Sie die Segmente, welche für Kampagnen gebucht werden können. Diese können je nach Anbieter von Behavioral Targeting abweichen.


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Quelle: Adlink Internet Media AG (Schweiz)

 

 
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